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Im martialischen Bereich, Krieg, Frieden und Gewalt, sowie Recht und Ordnung haben die Männer bekanntlich auch ziemlich viel zu tun und zu sagen… Ich habe auch da eine traumatisierende Erfahrung gehabt.
 

Ihr wisst vielleicht mittlerweile, dass ich in einem nicht gerade im guten Ruf stehenden Marseiller Viertel – wegen Armut, Ausländern, Stadtkriminalität, Zerfallenheit, usw. also die ganze Palette des schlechten Rufes – gewohnt habe. Ich habe dort ein paar Jahre als junge Frau allein mit meiner Mutter gewohnt.  
 
Einmal haben wir bei der Oma ein Familienfest gefeiert und es war ziemlich spät, nach Mitternacht, als jeder jeweils nach Hause mit mehreren Wagen fuhr oder gefahren wurde. Ich war zu dieser Zeit ca. 23-24 und hatte schon mein erstes Auto. Es ergab sich, dass ich nach Hause fuhr allein mit meiner Schwester Patricia, die 10 Jahre jünger ist als ich, also zu dieser Zeit 13-14 und schon eine hübsche Gazelle geworden war, eine Schönheit, eine Gnade, und vielleicht das Blut ihres Vaters aus Afrika.  
 
Als wir ankamen: Kein Parkplatz zu finden, natürlich. Ich musste 4 Strassen entfernt parken. Ich weiß nicht, ob Ihr die Dramatik der Situation nachvollziehen könnt, in der wir uns da befanden: Zwei Mädel, schön wie der Morgenstern (oh pardon, es war nicht ganz bescheiden, aber nun, zu spät...), alleine, Mitte in der Nacht, in einem gefährlichen, dusteren und menschenleeren Stadtviertel, 4 Straßen von zu Hause entfernt. Gut, wir fassen uns ein Herz und gehen los, ich die Hand in der Tasche, der Finger auf dem Druckknopf meines Verteidigungssprays, das unsere Mutter uns allen ab 15 gekauft hatte.  
 
Erste Straße, nichts. Zweite Straße, nichts. Dritte Straße, das blanke Horror. Uns kamen auf einmal 3 Individuen der Sonderpolizei-Einheit CRS entgegen, die Kalaschnikov am Schulterriemen umgehängt. Keine Panik, Ruhe bewahren… Identitätskontrolle, bitte. Ich weiß nicht was sie alle haben, sie glauben alle nicht an unsere Existenz, es ist wie eine Macke.

 

Gut, ich komme aber einigermaßen zu recht mit meinem CRS. Ich erkläre ihm, Familienfeier, kein Parkplatz, also er glaubt an mich, zumal er meinen Personalausweis unter der Nase hat, wo alles Notwendige darauf steht: Name, Adresse,  Alter,  Sondermerkmale, Maßen,  Gewicht,  Foto.  Also er  glaubt  an  mich und  gibt mir meinen Personalausweis ohne Kommentar zurück. Ich kann dann Patricia – schon den Tränen nahe - zur Hilfe kommen, die  noch keinen  Personalausweis  und  Schwierigkeiten mit ihrem CRS hatte: “Und was machst Du in Deinem

 

Alter, um diese Zeit, in diesem Viertel, ganz alleine?“ Ich interveniere, Familienfeier, kein Parkplatz, sie ist nicht alleine, sie ist mit mir, ich bin ihre Schwester. Da gucken sie erstmal alle drei ein bisschen dumm. Einer sagt sogar: „Ach. Es ist Ihre Schwester…“. Ich, ohne mich beeindrucken zu lassen: „Ja, es ist meine Schwester, warum? Haben Sie noch nie von gemischten Paaren etwas gehört?“. Er zuckt ein bisschen. „Doch doch. Dann werden wir Sie nach Hause begleiten...“. Und so kam es, dass Patricia und ich in dieser Nacht nach Hause gingen im Geleit von drei CRS (ausgeschrieben: Compagnie Républicaine  de  Sécurité,   also   Republikanische   Kompanie   für Sicherheit – bitteschön) bis zu unserer Haustür, dass nicht mal Mazarine, Bastardin von einem Präsidenten der Republik (Mitterand), so was hat!! Danke, das ist nett. Dafür nichts. Dafür nichts. Dafür nichts.

 

 

So, und jetzt frage ich mich: Ist unsere französische Republik so tief gefallen, dass sie nicht mehr die Ideale und das Budget hat, um ein angemessenes Geleit für die außerehelichen Töchter ihrer Präsidenten zur Verfügung zu stellen? Das frage ich mich.  


                          
  Songtitel:   I wonder where my baby is tonight
  Text, Musik, Instrumente, Stimmen: New Horizons
  Dritte Stimme: Jocelyne Lopez
  Arrangement und Technik: Horst Lubjuhn

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