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Ich erzähle mal eine Live-Erfahrung im anthropologischen Bereich. Mein Mann wollte nämlich vor einigen Jahren unbedingt tauchen lernen und einen Tauchurlaub  auf  den  Malediven  machen.   Ich  war erstmal

nicht unbedingt begeistert, ich bin nicht von der kühnen Sorte, aber nun… Das war mein erstes und bis jetzt einziges Fernziel, die 9 Stunden Flug habe ich irgendwie überlebt, und die Tauchgänge irgendwie auch. Und es war fantastisch!


Einmal ist unsere Tauchgruppe wie jeden Morgen mit dem Fischerboot und zwei Einheimischen über zwei Stunden zu einer Tauchstelle beim Außenriff gefahren. Als wir dort ankamen war das Meer ein bisschen unruhig, der Tauchlehrer auch. Er sagte: „Heute haben wir Strömung, ziemlich stark bei 2-3 Meter, unten stellenweise. Was wollen wir machen? Tauchen wir oder fahren wir zurück?“. Die Männer: „Wir tauchen!“ Die Frauen (wir  waren  zwei  oder  drei): „Wir tauchen!“ . Ich: "…hmm… ööh… hmm... starke Strömung?...".

 

Wir sind getaucht. Der Tauchlehrer hatte jedoch  diesmal aus Sicherheitsgründen ein Seil zum Festhalten beim runter- und auftauchen angebracht. Ging alles gut, unten gab’s in der Tat stellenweise solche Turbulenzen, dass die Tauchflaschen fast weggeflogen wären. Aber nun, die Koralle und die Fischen haben uns freundlicherweise durch ihr angeborenes Verhalten gewarnt, wenn es stellenweise turbulent war. Als der Tauchgang zu Ende war sammelte der Tauchlehrer seine Schäfchen zusammen, damit wir ein nach dem anderen am Seil wieder zum Boot sicher zurück schwimmen konnten. Als ich dran war - weiß ich nicht warum - machte er mir ein Zeichen, das ich ungefähr so interpretiert habe: „Halt Dich fest, Mariechen!!“. Ich  antwortete trocken und mit dem korrekten  internationalen  Unterwassergebärde: 

 

„Mach Dir keine  Sorge, Ingolein!". Ich hieb mich mit Grazie und Schwerelosigkeit am Seil hoch. Am Boot angekommen weiß ich nicht was passiert ist, wahrscheinlich Ungeschicklichkeit, ich ließ das Seil los bevor ich die Leiter gegriffen habe. Ich wurde von einer unwiderstehlichen Strömung erwischt, die mich hoffnungslos an Rumpf entlang schleifte, und Tschüss Richtung Sri Lanka in 3.567 km Entfernung. Ich hatte gerade angefangen mich mit meinem Schicksal abzufinden, als eine unwiderstehliche Gravitationskraft, aber umgekehrt, mich vertikal und irgendwie auch seitwärts zurück zur Leiter brachte.

Als ich mich von meinen Aufregungen ein bisschen erholt habe, guckte ich durch die Tauchbrille nach meinem Held und Retter hoch. Ein Einheimischer. Als ich im Boot zurück war half er mir meine ganze Apparatur loszuwerden. Ich nahm meine Tauchbrille ab und wollte endlich mit von Meerwasser, Tränen und Dankbarkeit getrübten Augen meinen Retter in die Augen schauen. Als unsere Blicke sich trafen, fiel er fast vom Boot und lachte sich  tot. Nanu?... Wo bleibt die Romantik? Sein Kumpel kam herbei, guckte mich an, und lachte sich krumm. Die Reaktionen von fremden Menschen sind ja bekanntlich ziemlich schwierig zu verstehen... Mein Mann kam herbei und lachte sich schief. Nach einer kleinen Weile erklärte er mir freundlicherweise den Grund dieser umpassenden Heiterkeit: Auf meiner Stirn, verkehrt herum eingraviert durch den Druck der Millibare auf meine Tauchbrille, war das Wort geschrieben: ADIDAS.  
   
Egal aus welchen Ländern sie kommen haben Männer alle samt keinen Sinn für Romantik, oder?

 

 

 Musikkomposition: Meerblick

Mit freundlicher Genehmigung von ELKAWE

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