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Schön, lieber norbi, dass Du zurück aus Stuttgart bist. Du schreibst: "Bei Mercedes war ich auch, obwohl ich kein Autonarr bin." Ich hätte Dein beeindruckendes Foto von Mercedes auch nicht als Auto erkannt. Eher als Fahrrad? Ich habe auch |
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zu Autos ein eher nüchternes und praxisbezogenes Verhältnis... Und da darf ich wieder in meinen Erinnerungen kramen, einverstanden?
Ich war als junge Frau wieder mal alleine (mit altem R4 und Hund) in den Wintermonaten auf den langen Weg zwischen Marseille und Hamburg unterwegs. Ich geriet Mitte in der Nacht auf der Autobahn in Deutschland in so einen dichten Nebel, dass ich kaum über meine Windschutzscheibe sehen konnte, ich konnte nur weiterfahren indem ich mich mühsam an den 2-3 weißen Mittelstreifen der gespenstigen, menschenleeren Autobahn orientierte. Es war schon schlimm, aber es kam noch schlimmer: Der Motor fing an schwach zu werden, ich hatte allmählich kein Gas mehr, ich konnte noch rechtszeitig an den Notstreifen fahren eher der Motor endgültig ausging. Na toll. Was tun? Nur mein Hund schlief selig weiter. Aussteigen und warten bis irgendeiner PKW oder LKW vorbeifuhr und versuchen anzuhalten hielt ich für zu gefährlich, und es hätte noch gerade gefehlt, dass es der Autobahnkiller ist! |
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Nach einer Gedenkpause habe ich aus lauter Verzweiflung versucht, den Motor wieder anzulassen. Es klappte einwandfrei! Ich war gerettet, ich konnte meine mühsame Fahrt weiter fahren, es lief wie am Schnürchen. Was war los gewesen? Nur eine Laune meines alten R4s eben, nichts Ungewöhnliches... Nach ein paar Kilometern, dasselbe Spiel, Motor schwach, abgesoffen. Wieder angelassen, alles in Ordnung. Viele Male hintereinander. Verhext dieses Auto…
Die Lösung des Rätsels und die Unschuld meines Autos habe ich auf einmal im Licht meiner Scheinwerfer gesehen: An der Seite war das Verkehrsschild angebracht, das bedeutet: "Vorsicht - |
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Starkes Gefälle". Starkes Gefälle??? Vor einem starken Gefälle kommt doch meistens eine starke Steigung, oder? So war es auch, ich war Mitte in den Kasseler Bergen und hatte es nicht bemerkt! Für mich war die Autobahn flach wie die Holland. Und ich hätte natürlich zurückschalten müssen: bei aller Liebe schaffte mein Wagen keine starke Steigung im Höchstgang!
Mein Fazit: Maschinen sind auch Menschen. Und im Nebel sehen Menschen keine Perspektiven.
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Diese kleine Anekdote gab Anlass zu einigen Überlegungen sowie zu einem kurzen Dialog über Sinneswahrnehmungen und Sprache im Philosophieforum PhilTalk.de (www.philtalk.de), so dass ich nicht mehr weiß, ob wir vom Nebel im Leben oder |
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vom Leben im Nebel sprechen sollen... Hier ein paar Auszüge aus diesem Dialog: Reflektor: Was folgt aus dieser Erkenntnis für eine Vermutung über die Funktionsweise und Brauchbarkeit eines menschlichen Gehirns, dessen Träger blind, taub, stumm und ohne Tastsinn geboren wurde? Jocelyne: Ich weiß überhaupt nicht, wie dieser Mensch überhaupt seine Welt erfahren kann, das weiß ich nicht. Ich stelle mir es nur schrecklich, grausam und unendlich traurig vor. HerrVorragend: also für meine begriffe hat diese geschichte nix philosophisches, aber lustig ist sie allemal. also ich würde eine starke steigung bzw. ein starkes gefälle doch mit meinem gleichgewichtssinn erkennen, das hat für mich nix mit sehen zu tun. Jocelyne: Ich weiß nicht, ob der Gleichgewichtsinn in diesem Fall richtig funktionieren kann: so viel ich weiß, ist er stark abhängig vom Sehen und auch von der Bodenhaftung des Körpers, die eben in diesem Fall eingeschränkt waren. Ich habe gehört, dass Piloten von Sportmaschinen, die nur nach Sicht fliegen innerhalb von 1-2 Minuten in einer geschlossenen Wolkendecke nicht nur die Orientierung völlig verlieren, sondern auch jegliches Gefühl für die Fluglage der Maschine - ob Schieflage, steigend, fallend, schnell oder langsam. Lustig stelle ich mir es nicht vor…
Berny:
(...) Da gebe ich Jocelyne
recht, selbst wenn ich eingestehen muss, dass es einen hervorragenden
sechsten Sinn gibt, den man auch ganzheitlich auf die Sprache ausdehnen
sollte. (...) Der Nebel unterscheidet
sich philosophisch vom Leben dadurch, dass Letzteres im Ersteren nicht
„richtig richtend“ funktioniert, weil Richtung als Orientierung erheblich
beeinträchtigt ist. Diese einfache Aussage bestreitet niemand. Richtung
und Orientierung erfahren wir durch geistige Verarbeitung unserer Sinne.
Wenn plötzlich der Motor auf der Autobahn ausgeht, befindet man sich in
einer zweifelsfrei die ganzheitliche Wahrnehmungsfähigkeit einschränkenden
Stresssituation. Unsere Sinneswahrnehmung scheint dann von einem einzigen
gefühlsmäßig gebündelt überlagerten Hauptsinn bestimmt zu werden, der
zuerst die Klärung der Frage nach Sicherheit und Gefahrenabwendung
betrifft. Dazu gehörte auch der Versuch, den Wagen erneut zu starten, wozu
man automatisch den ersten Gang einlegt, das Problem ist behoben. Lustig
wird es erst, wenn man zur Einsicht kommt.
Jocelyne: Die Sprache dient uns u.a. als Beschreibung der Welt, und
die Welt wird nun mal primär von uns sinnlich wahrgenommen. Deshalb kann
keiner eine Antwort auf die grundsätzliche Frage "wie ist die Welt?"
bekommen. Deshalb kann keiner die absolute Wahrheit erfahren. Auch ein
Mensch ist gefangen in seiner biologischen, sinnliche Hülle als Mensch: Er
kann nur sehen, wahrnehmen und verstehen, was ein Mensch sehen, wahrnehmen
und verstehen kann. Er sieht den Baum, und kann ihn von allen Seiten
untersuchen und beschreiben. Aber wie ist der Baum für eine Ameise, für
einen Hund, für eine Fledermaus? Das wird er nie erfahren. Reflektor: Alles einleuchtend bis dahin, aber was geschieht, wenn der Befehl lautet: "gib mir den roten Ball!"? Jocelyne: Dann wirst Du den Ball geben, die Deine Mutter das erste Mal als “roter Ball“ genannt hat. Wie diese Farbe „rot“ eigentlich bei Dir aussieht, weiß keiner und wird auch keiner jemals wissen.
Reflektor: Genau deshalb dürfte irgendwann der von Dir negierte
"Fehler" doch auftauchen. Unterschiedliche Sinneswahrnehmungen führen eben
irgendwann zu unauflösbaren Missverständnissen; wie mit meinem
ursprünglichen Extrembeispiel angedeutet, hat zweckmäßige
zwischenmenschliche Kommunikation eben gleiche oder zumindest stark
ähnliche Art und Weise von Wahrnehmung zur notwendigen Voraussetzung! Jocelyne:
Bei Deinem Beispiel vom Kind, das z. B. rot und grün nicht unterscheiden
kann, wird diese Störung in der Tat zu Missverständnissen und
Kommunikationsschwierigkeiten führen – und sie wird dadurch wohl auch
ziemlich schnell erkannt: Das Kind könnte dann nicht fehlerfrei die
Befehle ausführen “Gib mir den roten Ball, gib mir den grünen Ball“. Das
stimmt schon. Jedoch ist diese Störung wohl nicht die Regel bei dem
Farbwahrnehmungssinn der Menschen: Die Fähigkeit zum Farbsehen setzt doch
voraus, dass man eben Farben auseinander halten kann.
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Copyright © 2005 - Jocelyne Lopez. - All Rights Reserved Foto © 2005 - photografically |