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Ich habe in einem Forum eine ungewöhnliche und starke Persönlichkeit kennen gelernt: Dr. Heinz Werner Enders, Chemiker und Philosoph. Er bezeichnete sich selbst als eine Art Sprachforscher und hat eine Idee über eine neue Sprache gehabt,

die Repräsentations-Notationen, die die Kommunikation zwischen Menschen verbessert sollte, und die er schon Studenten beigebracht hatte. Er suchte aber auch Wege außerhalb der Universitäten. Ich fand es sehr interessant und spannend, und ich sollte sogar mal in diesem Forum als Laie sein „Versuchskaninchen“ beim Erlernen seiner Sprache sein. Es ist aber ziemlich schief gelaufen. Und Dr. Heinz Enders ist Ostern 2003 80jährig gestorben. Ich trauere um ihn.

Er war ein sehr offener, mutiger, verantwortungsbewusster, liebenswürdiger, wahrheits- und freiheitsliebender Mensch mit hohen ethischen Maßstäben. Er hat mich auch ermutigt in eine wissenschaftliche Diskussionsrunde aktiv und öffentlich teilzunehmen. Er hat mich auch dabei verteidigt, und auch zu PhilTalk geführt, als in den Foren von Wissenschaft-online nichts mehr offen ging und schwere Einschränkungen der Meinungsfreiheit sowie Zensur geübt wurden.

Schon 2001 hatte er mich um Erlaubnis gebeten, folgende private e-mail von ihm in eine Internet-Debatte zu stellen. Damals hatte ich es abgelehnt. Heute gehe ich hier seiner Bitte nach:

Liebe Frau Lopez, 11.12.01

da ich seit geraumer Zeit dabei bin, mit den entsprechenden Instituten der Universitäten Ulm, Augsburg, München und Graz einen Forschungskern "
Quid Verum" zu bilden, und ich ausreichend Schlaf brauche, meine Gedanken zusammenzuhalten, komme ich jetzt zwischen den Seminaren dazu, Ihre interessante und in der Substanz bedeutsame e-mail zu beantworten. Sie ist auch in der Wahrheitsfrage ein wichtiger außeruniversitärer Mosaikstein. Die Wahrheit muss zwar universitär behandelt werden, ist aber keineswegs ein hauptsächlich universitäres Anliegen, sondern Angelegenheit der gesamten Menschheit, d.h. von arm, reich, alt, jung, Künstlern, Gelehrten, Narren, Weisen, Dummen, Gescheiten, Inländern, Ausländern, Schülern und Lehrern. Kurz und gut, sie ist viel zu wichtig und allgemein, um geheim gehalten und von ein paar interesselosen und gelangweilten Intellektuellen, die nur auf lukrative Forschungsaufträge aus sind, betrieben und okkupiert zu werden. Für mich sind Sie in Sachen "Wahrheit" ein Vorbild. Hoffentlich stoßen noch mehr "Öffentlichkeits- und Debattenüberdrüssige" zur Auseinandersetzung "Die Wahrheit in der Wissenschaft", auch wenn Steine auf mich fliegen sollten. Ich habe ein dickes Fell, scheue mich aber nicht das zu sagen, was ich für wahr halte. Nicht auf den Titel und den akademischen Rang eines Teilnehmers kommt es an, sondern auf das, was er sagt und was davon wahr ist. Und dieses "Quid Verum" gilt unterschiedslos für alle, die der Überzeugung sind, etwas Wichtiges nicht zurückhalten zu dürfen.

Und dies gilt nicht nur für diese mail, sondern auch im Blick auf die Öffentlichkeit. Nehmen Sie sich alle ein Beispiel an Jocelyne, die sagt, was sie denkt und die ich jetzt frage, ob ich den Teil dieser mail, den sie für publikationsgeeignet hält - wenn nicht gar die gesamte Nachricht - in unsere Debatte stellen darf. Vergebens habe ich andere dazu bringen wollen, wichtige Kritik in vollem Text nicht zurückhalten, sondern in die Debatte zu stellen. Und nun danke ich Ihnen, Frau Lopez, nochmals vor den Augen aller verehrten Diskussionsteilnehmern für die Offenheit Ihrer wahrheitsförderlichen Gesinnung.
Heinz Enders
 



Hier nähere Informationen über Dr. Heinz Enders und das Gedicht, das er für seine Stiftung ausgesucht hatte:

 

Stiftung Quid Verum

Heinz W. Enders

 

STIFTUNG und WAHRHEIT

Eine Initiative zum Mitmachen

(Gegen Pauschalurteil und ideologische Verirrung.)

 

http://home.t-online.de/home/Enders.h.w.QuidVerum/

 

Mut

 

Was keiner wagt, das sollt ihr wagen

Was keiner sagt, das sagt heraus

Was keiner denkt, das wagt zu denken

Was keiner ausführt, das führt aus.

 

Wenn keiner ja sagt, sollt ihr's sagen,

Wenn keiner nein sagt, sagt doch nein.

Wenn alle zweifeln, wagt zu glauben.

Wenn alle mittun, steht allein.

 

Wo alle loben, habt Bedenken.

Wo alle spotten, spottet nicht.

Wo alle geizen, wagt zu schenken.

Wo alles dunkel ist, macht Licht.

(Zenetti, Texte der Zuversicht.)

Für die Stiftung Quid Verum ausgesucht von Birgit Hirmer, 1.11.1997

 



Nachstehend der letzte Beitrag von Heinz Enders in der Online-Debatte "Die Wahrheit in der Wissenschaft", die er mit bewundernswerter Vitalität und vorbildlichem Engagement über mehrere Monate bereichert und vorangetrieben hat:

Beitrag von Heinz Enders  29.03.03:

Ein Mahnmal für die Wahrheit und Friede 

An alle, die lesen können, gegen einen neuen Krieg und für eine humanere Zukunft sind.

Einfälle kommen nicht von selbst, ganz gegen Laune und Lust. Sie kommen nur, wenn man mit ihrer Möglichkeit spielt; vor allem solange sie noch gar nicht da sind, und ganz gegen den Strich, die Norm, den Hauptstrom und das Geläufige gehen. Da stirbt am Morgen meines 80. Geburtstages meine Frau, und ich muß alle Feierlichkeiten absagen. Da gibt es eine bekannte Maklerin im Wissenschaft-Online-Forum „Gehirn und Geist“, da flattert ein Grußwort von Searle zur Diskussion seines „Chinesischen Zimmers“ ins Haus; da erscheint eine Zeitungsseite mit dem Titel „Politiker auf der Suche nach Wahrheit“, geschrieben von einer Runde, die vom Stadtberger Bürgermeister Dr. Fink zusammengerufen wurde. Dabei ist Dr. Fink ein erfolgreicher Promovend, dessen Doktorvater eben jener Prof. Theo Stammen ist, der gerade vor einigen Wochen als Vorsitzender des „Institutes für Europäische Kulturgeschichte“ mit der Stiftung „Quid Verum“ eine Kooperationsvereinbarung getroffen hat. Die ganze Runde verliert trotz mehrfacher Vorsprache meinerseits kein einziges Wort über die Tatsache, daß hier am Ort eine Stiftung für die Wahrheit mit dem Namen „Quid Verum“ in der Schwalbenstr. 1 ihren Sitz hat. Unsere Meinung ist: es ist höchste Zeit, daß sich das ändert. Dabei fühlt sich die Stiftung jedenfalls universitärer als während unseres ersten Treffens im FAW. Dem Ulmer Professor, der die universitäre Eignung der Stiftung in Frage gestellt hat, könnte man heute einiges  entgegen  halten.  Allerdings  bin  ich  trotz  allem  universitätskritisch  geblieben,  was  an  meinem

 „Wie universitär ist die Wahrheit?“ unschwer auszumachen ist. Nun habe ich die „Fixe Idee“, gemäß dem Andenken meiner Mutter und dem des für mich (nicht für meine Frau) schlimmen Ableben meiner braven Gattin am Morgen meines 80. Geburtstages einen Gedenkstein auf eben diesem Ebental zu setzen, auf dem ich als Knabe am Rocksaum meiner Mutter immer zum Kirschenpflücken hinauf schnaufte: Dabei nahmen wir den Weg übers „Wissepädche“, hochdeutsch Wiesen-pfädchen (heute bebaut), das eine große Abkürzung gegenüber der normalen Bergstrecke bedeutete. Hoch oben schaute ich aufs Rheintal, das Binger Loch und das Nationaldenkmal auf  dem Niederwald

und verzehrte  eine Handvoll Kirschen auf dem 0.428 ha (bzw. 4280 qm) großen Stück Ackerland, das  im landwirtschaftlich genutzten Boden der  Stadt  und  Gemarkung  Rüdesheim  liegt. Weil dieses Projekt so einfach realisierbar (und gerade deshalb bes. schwierig, d.h. wenn überhaupt, nach jahrelangen Kämpfen mit den Behörden, i. e. der „pluralistischen Ignoranz“ zu verwirklichen) ist, reizt es meinen aufsässigen Geist um so mehr. Es wäre sogar vielleicht eine geeignete Gelegenheit das oben genannte humane Anliegen ins Gespräch zu bringen.


Ich lege somit einiges an vielleicht publikationswürdigem Material bei. Und weiß dabei nicht, ob ich nicht die eine oder andere Publikation schon vorgebracht habe. Jedenfalls ist der Einfall, Ihre und meine Schriften (darunter auch Ihre epochemachense Untersuchung über das nicht-explizite Wissen mit meiner „Wahrheitssuche im Abendland“ hinter ein geeignetes Logo in luftige Höhen vor das Nationaldenkmal zu packen und auf den ehrwürdigen Vater „Rhein“ blicken zu lassen, ein evtl. propagandaträchtiges Projekt, das einem parteiübergreifenden Zu- oder Widerpruch gewiss sein kann.(hwe)

Anlagen (Was hinter das Logo an der Spitze mit Friedenstaube und Wahrheitssymbol alles gehört):

3 AZ – Ausschnitte;
Artikel: „Wie universitär ist die Wahrheit?“;
Stiftungssatzung; Vorschlagliste für ein Stiftungs-Kuratorium;
Der „Hauptgedanke des Beweises“;
„Repräsentations-Explikationen I“;
Vorankündigung der Trilogie „Wahrheitssuche im Abendland“;
3 Teile Radermacher bmb+f-Abschlußbericht „Management von nicht-explizitem Wissen.“;
F.J. Radermacher, „Balance oder Zerstörung“, Wien 2002

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Siehe auch die Beiträge von Heinz Enders in Internet online-Diskussionen:

 - Die Wahrheit in der Wissenschaft
   Online-Forum zu einer Diskussion der Spektrum-Redaktion
   mit dem Astrophysiker Prof. Jürgen Ehlers und dem Sozialwissenschaftler Prof. Rudolf Stichweh.
   http://www.wissenschaft-online.de/sixcms/list.php?page=sc_forum_baum&level=01&article_id=575314

- Gehirn & Geist Forum: Hirnforschung mit Folgen
  
Online-Forum zu einem Interview der Zeitschrift Gehirn&Geist
   mit dem Hirnforscher Prof. Dr. Wolf Singer und dem Philosophen Prof. Dr. Thomas Metzinger:
   "Ein Frontalangriff auf unsere Menschenwürde"

 - Repräsentationismus - Was sonst? - Philosophieforen PhilTalk.de
 


 

Auch Dr. Enders ist nach den enttäuschenden Erfahrungen in den Diskussionsforen von Wissenschaft-online.de zum Philosophieforum „PhilTalk.de“ übergewechselt und hat dort seinen o.g. Thread „Repräsentationismus – Was sonst?“ am 17.03.03 eröffnet. Das war jedoch leider sein letzter Forumauftritt, er ist kurz darauf gestorben. In diesem Thread hat er diese Thematik wieder angesprochen und auch selbst den kompletten Text einer private e-mail an mich veröffentlicht, die er mir über ein Jahr zuvor geschrieben hatte. Ich stelle auch seine Mail hier:

Liebe Frau Lopez, 22. 12. 01

Vielen Dank für Ihre Rückmail. Sie haben Zivilcourage. Für mich sind Sie so etwas wie die Eliza in "My Fair Lady". Während Eliza mit ihrem Gockney-Englisch aus der Gosse kam, stammen Sie - in den geordneten Verhältnissen einer Bankangestellten - wissenschaftsalethologisch (ein anderes Wort für wahrheits-wissenschaftlich) aus der mathematischen Vorhölle. Ich selbst bin auch kein Professor Higgins, obwohl ich so etwas wie einen Sprachforscher darstellen könnte. Während es in "My Fair Lady" jedoch um Mundart und Aussprache geht, die Gelegenheit zu wunderschönen "Gags" und „Gesangseinlagen" geben, stehen im Falle der "Repräsentations-Notationen" zunächst einmal "Informationen" und "Inhalte" auf dem Prüfstand. Obwohl es auch hier um Prosodie und Aussprache gehen kann, z. B. lässt sich durch Veränderung des Tonfalls "ironisch" sprechen und damit der Sinn eines Satzes ins Gegenteil verkehren. Doch zielen "Repräsentations-Notationen" in der Hauptsache auf die "comoedia tragica communicationis" des neuzeitlichen "homo sapiens". Und da gibt es die mathematische "Grundlegungshölle", eine ganze Palette verschiedenster Antinomien und axiomatischer Ansätze, die dem Mathematiker vorgaukeln, er könne im Gegensatz zu anderen (z.B. Ethikern, Psychologen, Psychiatern oder Dichtern) exakt über menschliche Seeleninhalte sprechen.

Und da gibt es noch einen schönen Film aus den dreissiger Jahren, der heisst "Die Drei von der Tankstelle" mit Heinz Rühmann, Willy Fritsch und Lilian Harvey. Darin kommt der Schlager vor: "Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Schönste, was es gibt auf der Welt." Solche Freunde sind nötig, wenn man mit "Repräsentations-Notationen" durch die Wände der wissenschaftlichen und sprachtheoretischen Vorurteile gehen will. Wenn Sie darüber nachgrübeln, warum so manche aus unserer Debatte ausgestiegen sind, vor allem die, die das "Auswahlaxiom" zum dominierenden Thema machen wollten, so ist die Antwort, weil sie instinktiv spürten, dass die neue Notation unser auf Vernunft, Wissenschaft und Mathematik basierendes Weltbild vor einschneidende Umwälzungen stellen wird. Wenn Mathematiker wie Wolfgang Klein oder Klaus-Peter Kuhn auf eine Notation stossen, die zwischen Zahl und Ziffer auch formal unterscheiden kann, die Mengentheorie durch Bezeichnungstheorie ergänzen und mathematische Modelltheorie durch Repräsentationtheorie ersetzen will, dann verliert die Mathematik automatisch ihre dominierende Stellung als einzig mögliche globale Grundlegungssprache. Im anthropologischen Bereich ist sie schon heute nur noch stochastisch interessant. Studierte Mathematiker werden in Sachen "Repräsentations-Notationen" nicht mehr antworten wollen.

Ähnliches gilt für Orthodoxe und Autoritätsgläubige, denn unsere Notation ist nicht nur ein mathematisches Ärgernis, sondern auch ein Waffe gegen Sektiererei und ethische Fremdbestimmung. Sie stellt eo ipso jedes alleinseligmachende religiöse oder philosophische System in Frage. So glaube ich kaum, dass sich orthodoxe Katholiken, Protestanten oder Zeugen anderer Offenbarungen in eine Debatte mit Quid Verum drängen werden.

Doch genug damit: Sie haben auf meinen Vorschlag positiv reagiert. Das ist das Wichtigste. Daraus muss das Beste gemacht werden. Auch ich muss mit meiner Zeit haushalten. Ich werde also versuchen, das Experiment ins Internet zu stellen und auf kleinste Portionen zu verteilen. Ich habe zwar versucht, die technische Abt. des Spektrum-Verlages dazu zu bringen, dass unseren Beiträgen ins Internet e-mail-analoge attachments angehängt werden können, habe darüber bis heute keinen Rückbescheid und zweifle, ob Chefredakteur Breuer sich hierzu breitschlagen lässt.

Andererseits kann ich diese "attachments" unserer eigenen e-mail-Verbindung anfügen, wie ich es heute schon probeweise versuche.
Indem ich Ihnen nochmals schönen Weihnachtsurlaub, Gesundheit und ein Frohes Fest wünsche, verbleibe ich mit besten Grüssen Ihr Heinz Enders




 

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